Mitgebrachte Tiere aus dem Ausland
Von Cornelia Baumsteiger
Vom elenden Leben der vielen Straßentiere Südeuropas, auf dem Balkan und in der Türkei haben fast alle Touristen inzwischen gehört. Doch erst im Urlaub werden immer mehr damit konfrontiert. Sie finden ein verletztes Tier auf der Straße, entdecken in einem Mülleimer Katzenbabys, es läuft ihnen ein halb verhungerter Hund zu. Tierfreunde wollen dann nicht wegsehen.
Zuerst einmal wird der Findling versorgt, aufgepäppelt und betreut. Schnell wird aus der Urlaubsbekanntschaft eine kleine Liebe, was spätestens dann zum Problem reift, wenn der Abreisetermin näher rückt und die Frage nach der Zukunft des liebgewonnenen Vierbeiners aufwirft. Immer mehr Urlauber entschließen sich dann, das Tier nicht zurückzulassen, sondern mit nach Hause zu nehmen. Diese Entscheidung rettet mit großer Sicherheit das Leben des Streuners und zieht eine Reihe von Problemen nach sich, die man aber alle lösen kann.
Das Beispiel des deutschen Polizisten Acor Kniely, der während seines Einsatzes im Kosovo, wo er im Rahmen der Friedensmission tätig ist, eine halbtote Hündin fand und schließlich nach Deutschland brachte, zeigt, dass mit etwas Beharrlichkeit eine rührende Geschichte sehr glücklich enden kann. Nachdem Acor Kniely die junge Hündin aus dem Schnee gerettet und im Keller seiner Dienstwohnung aufgepäppelt hatte, war die Mensch-Hund-Beziehung so eng geworden, dass er „Dusty“ auf keinen Fall zurücklassen wollte.
Streunende Hunderudel werden wöchentlich im Auftrag der Gemeinden von Jägern abgeschossen. Diesem Schicksal sollte Dusty entgehen. Das Transportproblem stellte ihren Retter aber auf die Geduldsprobe. Alle Fluglinien, die aus dem Krisengebiet nach Deutschland flogen, weigerten sich, das Tier mitzunehmen. Ein Transport per Auto schien ein Risiko, weil die Straßen zu unsicher waren.
Von Zuhause aus erhielt Acor Kniely Unterstützung. Denn dort hatten die Fotos von Dusty ihre Wirkung nicht verfehlt. Nach Monate andauernden Bemühungen gelang es schließlich, ein Reisebüro ausfindig zu machen, das bereits einen Hundetransport organisiert hatte und eine Linie kannte, die bereit war, Dusty zu befördern. Heute lebt der kleine Mischling in Deutschland bei seiner neuen Familie mit zwei weiteren Hunden in aller Eintracht und entwickelt sich prächtig.
Hätte ihr Besitzer damals aufgegeben, wäre Dusty heute längst tot. So problematisch wie die Rettung aus dem Krisengebiet ist der Transport von gefundenen oder zugelaufenen Katzen und Hunden im Urlaubsreiseverkehr nicht. Als erstes ist allerdings zu beachten, dass nicht jeder freilaufende Hund ohne Halsband gleich ein herrenloser Streuner ist. Auch Hunde mit einem Zuhause leben in Südeuropa und der Türkei mitunter freier, als das in Deutschland üblich ist, und können leicht mit Straßentieren verwechselt werden. Kam ein Hund oder eine Katze zutraulich und eigentlich auch wohlgenährt zum Betteln, sollte nachgefragt werden, ob nicht doch ein Besitzer existiert.
In fast allen Touristenorten gibt es inzwischen Tierschutzorganisationen, die bei der Abwicklung des Transports mit Rat und Tat helfen. Die wenigen einheimischen Organisationen sind leider mit Vorsicht zu betrachten. Dort sieht man es auch oft nicht gerne, dass Tiere, seien sie auch noch so schlecht beisammen, das Land verlassen. Die ganz große Mehrzahl der Tierschützer allerdings, die sich vor Ort bemühen, kommen aus Deutschland, England, Holland, der Schweiz etc.
Zwei unterschiedliche Probleme müssen gelöst werden:
Die Einreisebestimmungen nach Deutschland sind unbedingt zu beachten.
Der Transport muss geregelt werden.
Die Einreisebestimmungen regeln die Menge der Tiere, die transportiert werden dürfen. Das sind pro Person drei, eine Mutter aber mit dem gesamten Wurf. Ein generelles Einfuhrverbot gilt seit 2001 für bestimmte Rassen und ihre Mischlinge: Pitbull, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier. Außerdem sind unbedingt die Impfvorschriften zu beachten:
Jedes Tier muss eine gültige Tollwut-Schutzimpfung haben. Sie muss mindestens vier Wochen und darf höchstens zwölf Monate alt sein.
Welpen können erst ab der zwölften Woche wirksam gegen Tollwut geimpft werden. Sind sie also jünger als drei Monate (zwölf Wochen plus einen Monat Impffrist), dürfen sie nur zusammen mit der geimpften Mutter einreisen.
Die Bestimmungen der Länder, aus denen die Tiere kommen, sind für die Einreiseerlaubnis nach Deutschland unerheblich. Immer wieder geschieht es, dass Touristen sich auf die Aussagen von Ärzten vor Ort verlassen und dann am deutschen Zoll Probleme bekommen. Nicht gültig geimpfte Tiere werden entweder mit der nächsten Maschine in ihr Heimatland zurückgeflogen, oder, was eher die Regel ist, auf Kosten ihres Besitzers geimpft und in einer Quarantänestation untergebracht. Das wird teuer und ist für das Tier belastend, ist aber keine behördliche Schikane.
Entgegen den Aussagen deutscher Tierärzte, die immer wieder Besitzer von Hunden aus dem Süden unnötig in Angst vor angeblich gefährlichen Krankheiten aus südlichen Regionen versetzen, ist die Tollwut die einzige übertragbare Krankheit, die für Menschen wirklich gefährlich ist. Ohne rechtzeitige Impfung endet eine Erkrankung bei Mensch und Tier immer tödlich.
Es gibt Tricks, die Impfbestimmungen zu umgehen. So kommen manche Tierärzte in Urlaubsgebieten ihren Kunden entgegen und datieren den Zeitpunkt der Impfung vor, sodass die vorgeschriebene Impffrist angeblich eingehalten wurde. Jeder Hunde- oder Katzenbesitzer muss sich aber im Klaren sein, dass er eine große Verantwortung trägt, gegenüber der eigenen Familie, dem Tier und der gesamten Umgebung. Ein Beispiel aus Düsseldorf erhellt die mögliche Tragweite von Nachlässigkeit im Umgang mit der Tollwutschutzimpfung:
Ein Hund war illegal und ungeimpft aus der Türkei mitgebracht worden. Auch in Deutschland wurde keine Schutzimpfung nachgeholt. Der Hund erkrankte, der Tierarzt diagnostizierte Tollwut und schläferte ihn ein. Der Fall wurde dem Amtsveterinär und dem zuständigen Ministerium gemeldet. Um tödlichen Erkrankungen vorzubeugen, mussten alle Menschen, mehr als 300, mit denen der infizierte Hund Kontakt hatte, geimpft werden. Sämtliche freilaufenden Hunde oder Katzen mussten eingefangen, alle Haustiere im gefährdeten Bezirk auf die Gültigkeit ihrer Impfung überprüft werden. Hätte man einen Menschen übersehen oder nicht rechtzeitig ausfindig machen können, wäre dieser möglicherweise grausam an der Tollwut gestorben.
Wird der Hund im Urlaubsort geimpft, sollte man sich nicht auf das Vorgeschriebene beschränken, sondern die international übliche Komplett-Impfung verlangen. Zusätzlich ist eine Entwurmung und eine gründliche Untersuchung zu empfehlen. Deutsche Behörden verlangen mit dem Impfpass ein Gesundheitszeugnis des Tierarztes, in dem er zusichert, dass keine akuten Tollwutfälle dort aufgetreten sind, wo sich das Tier aufhielt, und das Tier an keiner Infektionskrankheit leidet.
Ebenso wie internationale Impfpässe gibt es entsprechende Vordrucke beim Tierarzt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass beides lesbar ausgefüllt wird. Der Nachweis der Tollwut-Schutzimpfung ist eine eingeklebte Marke mit der Bezeichnung des Impfstoffes. Das international gebräuchliche Wort ist „Rabies“ oder „Rabbia“. Wer an seinem Urlaubsort einen Tierschutzverein auftut, sollte sich dort auf jeden Fall einen Tierarzt empfehlen lassen.
Die drei gefürchtetesten Krankheiten, die rund um das Mittelmeer auftreten, sind Ehrlichiose, Barbesiose und Leishmaniose. Alle lassen sich über einen Bluttest nachweisen, der nur in spezialisierten Labors ausgewertet werden kann. Barbesiose und Ehrlichiose kann man, früh genug erkannt, mit Antibiotika gut in den Griff bekommen. Für Leishmaniose gilt das nicht. Sie kann trotz Behandlung tödlich ausgehen, muss es aber durchaus nicht. Die Behandlung ist je nach Schwere der Erkrankung teuer.
Keine der Krankheiten ist allerdings durch den Hund auf Menschen übertragbar. Man kann einen Bluttest zum Nachweis der Krankheiten am Urlaubsort machen lassen. Aber der in Spanien angebotene Leishmaniose-Schnelltest ist ungenau und eigentlich sinnlos. Es ist zwar richtig, dass idealerweise nur gesunde Tiere transportiert werden sollen, aber die Praxis sieht oft anders aus.
Ehrlichiose und Barbesiose sieht man dem Hund selten an, und würde man ihn zurücklassen, weil er über kurze Zeit Antibiotika benötigt? Für Leishmaniose gibt es deutliche Anzeichen. Sie müssen aber nicht auftreten. Wer sicher sein will, dass sein Tier nicht infiziert ist oder rechtzeitig die richtige Behandlung beginnen möchte, sollte einen Bluttest in Deutschland durchführen lassen. Dies sollte nur ein Arzt tun, der sich nachweislich auf dem Gebiet der Mittelmeerkrankheiten auskennt, ein geeignetes Labor beauftragt und sachlich beraten kann.
Bevor Hund oder Katze die Reise antreten, ist eine gründliche Behandlung gegen Zecken, Flöhe und andere Parasiten anzuraten. Geeignete Mittel gibt es bei jedem Tierarzt.
Ein Problem stellt in der Regel die Frist dar, die für einen gültigen Impfschutz gegen Tollwut eingehalten werden muss. Nur wenige Touristen bleiben länger als vier Wochen am Urlaubsort. Auch hier helfen Tierheime, Hundeasyle oder Tierschutzvereine. Bei Tierärzten, im Reisebüro, in Apotheken oder bei der nächst größeren Gemeinde gibt es in der Regel Hinweise, wo Tierschützer zu finden sind.
Auf keinen Fall darf man sich aber an die amtlichen lokalen Auffangstationen wenden. Es sind Tötungsstellen, zu denen die Tierfänger herrenlose Tiere bringen. Binnen 14 Tagen werden sie dann wenig human, oft sehr grausam, getötet, falls sich bis dahin kein Besitzer meldet. Inzwischen ist es aber Tierschützern gelungen, einige dieser tierquälerischen Orte zu übernehmen und in echte Tierheime umzuwandeln.
In solchen und allen anderen Unterkünften, die unter Tierschutzaspekten geführt werden, kann man seinen Streuner vorübergehend unterbringen. Man sollte vorsichtshalber schriftlich fixieren, dass es sich nur um einen Pensionsplatz handelt.
Es gibt auch unter Deutschlands Tierschutzvereinen viele, die als Kooperationspartner Organisationen und Einzelkämpfer im Ausland unterstützen. Wer keinen Tierschützer vor Ort findet, kann sich an sie wenden, wenn er Rat benötigt. Fast alle Tierschützer, die sich in südlichen Urlaubsländern einsetzen, vermitteln Schützlinge nach Deutschland, England, Schweiz, Holland etc. Sie können helfen, Flugpaten zu finden, die nach Ablauf der Impffrist das Tier im Flugzeug nach Deutschland begleiten, und sie organisieren dann auch die Anmeldung bei der Fluglinie und das Einschecken. Man kann grundsätzlich ein Tier nicht wie Frachtgut verschicken. Fluggesellschaften nehmen Tiere nur dann mit, wenn Besitzer (oder Flugpaten) in der gleichen Maschine fliegen.
Übrigens kann sich jeder, der Tieren helfen möchte, als Flugpate zur Verfügung stellen und ein Tier über sein Ticket mitbuchen, auf das bereits ein Besitzer wartet. Es ist wenig Mühe, aber eine wertvolle Hilfe. Hinter dem Zollbereich, der mit korrektem Tier-Impfausweis völlig legal zu passieren ist, übernimmt der Besitzer den Hund. Nicht legal ist, Tiere für den kommerziellen Handel zu transportieren.
Wer ein Tier im Flugzeug mitnehmen möchte, sollte dies so früh wie möglich bei seiner Reise- oder Fluggesellschaft anmelden. Fast alle Linien befördern Tiere, allerdings zu unterschiedlichen Konditionen. Die Reiseregeln der Fluggesellschaften sind nicht zu verwechseln mit den behördlichen Einreisebestimmungen. Die besagen etwa, pro Person dürfen drei Tiere reisen, einige Linien erlauben dennoch nur einen Hund pro Person.
Tiere bis 5 oder 6 Kilogramm dürfen im Passagierraum in einer geeigneten Box oder Tasche mitfliegen. Alle Tiere, die schwerer sind, werden in den beheizten Gepäckraum verfrachtet. Ob ein Tiertransport im gebuchten Flug möglich ist, hängt von der Zahl der bereits angemeldeten Artgenossen ab. Manche Fluggesellschaften dulden Katze und Hund nicht im gleichen Gepäckraum.
Auf Linienflügen ist der Transport teuer. Mehrheitlich werden zwischen 20 und 25 Mark pro Kilogramm inklusive Box berechnet. Dabei spielt es keine Rolle, wie schwer oder leicht das Gepäck des Begleiters ist. Bei Charterflügen wird hingegen in vielen Fällen das Gewicht von Tier und Box mit den üblichen 20 Kilogramm Freigepäck des Begleiters verrechnet und die noch verbleiben Kilo mit rund 5 Mark berechnet. Es gibt auch Chartergesellschaften, die den Transport kostenlos durchführen.
Die Vorbereitung für den Transport im Flugzeug beginnt mit der Suche nach einer geeigneten Flugbox. Es sind zwei Kunststoffschalen mit Gittertür und -teilen an den Seiten, die zusammengeschraubt werden. Solche Channels gibt es in Zoogeschäften, bei Tierärzten, manchmal gar in großen Supermärkten oder man kann sie in Tierheimen leihen. Vor dem Kauf ist ein Preisvergleich ratsam.
Die Box sollte so groß bemessen sein, dass das Tier stehen kann und muss vor dem Flug mit Zeitungen, Handtüchern oder einer Decke gut ausgepolstert werden. Am Reisetag sollte das Tier nicht gefüttert werden. Ein Diättag bekommt ihm besser. Zur Beruhigung kann eine Tablette gegeben werden. Ein Stofftierchen oder, wenn man den Hund länger bei sich hatte, ein T-Shirt, das den eigenen Geruch vermittelt, helfen ebenfalls. Doch überstehen Tiere, selbst Welpen, auch einen längeren Flug erstaunlich gut.
Lange Autofahrten kann man Hunden und Katzen ebenfalls zumuten, solange für ausreichend Belüftung, frisches Wasser und Pausen gesorgt ist. Auch während dieser Reisezeit reichen einige Knabbereien als Futter aus.
Nach der Ankunft zu Hause braucht das Tier einige Tage, um sich einzugewöhnen. Vor allem nach Flugreisen ist Erbrechen oder Durchfall, selbst blutiger Stuhl, zunächst kein Grund zur Beunruhigung. In vielen Fällen ist die Aufregung schuld und mit etwas Ruhe verschwinden die Symptome.
Wird das Tier einem Arzt vorgestellt, so sollte dieser auf jeden Fall über die Herkunft seines Patienten informiert sein. Die Erfahrung vieler Tierschutzvereine zeigt, dass immer noch Tierärzte in Deutschland wenig über typische Mittelmeerkrankheiten wissen und die Patientenbesitzer erheblich beunruhigen, aus südlichen Ländern würden gefährliche Krankheiten eingeschleppt. Dazu besteht kein Anlass.
Auch hier nicht vorkommende Krankheiten können diagnostiziert und behandelt werden. Und es gibt inzwischen so viele Tiere aus dem Ausland, die ohne gesundheitliche Probleme in deutschen Familien leben, und die wegen ihres sehr sozialen, freundlichen Wesens viele Freunde finden, dass für eine „Fremdenfeindlichkeit“ kein Grund besteht.
Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der ServiceZeit Tiere suchen ein Zuhause vom 4. November 2001 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
- Alle Angaben ohne Gewähr -
|
|