21.08. 2003


Abgemagert und stark unterernährt


Sikim, die Elefantenkuh ist nur noch Haut und Knochen.


Der Anblick von Sikim ist erschreckend. Die Elefantenkuh ist nur noch Haut und Knochen. Und wenn sie mühsam läuft, schlackern Unterschenkel und Fußballen der Hinterbeine, als seien die Gelenke gebrochen. Hat sie im Osnabrücker Zoo eine Überlebenschance?

Bis Dienstag lebte Sikim im Zirkus Giovanni Althoff, jetzt ist die afrikanische Elefantendame im Osnabrücker Zoo, der sie aus Tierschutzgründen aufnahm. Mit etwas Glück kann sie weiterleben, muss nicht eingeschläfert werden.
Sikim hat eine unheilbare Fehlstellung der Hinterbeine und Arthrose, sie ist unterernährt und für ihre 18 oder 20 Jahre zu klein. Durch die Knochenveränderungen kann sie kaum noch laufen, ihre empfindlichen Füße wurden anscheinend seit Jahren nicht richtig gepflegt. Fachleute werden Zootierärztin Dr. Susanne Klomburg bei einer gründlichen Untersuchung helfen, die über Leben und Tod entscheiden wird.

Doch zunächst muss Sikim aufgepäppelt werden. „Als sie am Dienstag hier ankam, wollte sie nur fressen, fressen, fressen“, sagt Zoodirektor Dr. Wolf Everts. Dick und rund darf die Kuh trotzdem nicht werden: Sonst können ihre kaputten Beine die Last nicht tragen. Außerdem war das kranke Tier seit Jahren permanent angekettet und muss, sollte es sich erholen, wieder laufen lernen.

Die alte Osnabrücker Zirkusdynastie Althoff hat in Osnabrück nur eine Briefkastenadressen, Zirkus Giovanni Althoff hat sein Winterquartier jetzt bei Damme. Bei einem Gastspiel in Borken war dem dortigen Amtstierarzt Dr. Bernd Eysing der schlechte Zustand von Sikim, deren Schwester kurz vorher im Zirkus gestorben war, aufgefallen. Auch hatte er einen Hinweis von Tierschützern erhalten. Eysing reagierte sofort und verhängte ein „Reiseverbot“ für den Elefanten.

Warum ihr Zustand seinen Kollegen in anderen Städten nicht auffiel, weiß Eysing nicht. Die fünf asiatischen Elefanten von Althoff seien „so weit o.k.“, sagt er. Weiß aber nicht, wie es mit denen weitergeht, wenn sich die finanzielle Lage des Zirkus nicht verbessere.

Im Einvernehmen mit Althoff, so betont Eysing, wurde ein neues Zuhause für Sikim gesucht und in Osnabrück gefunden. "Uns gehört sie jetzt", betont der Zoodirektor. Papiere für das Tier, aus dem seine Herkunft, sein Alter und seine Vorerkrankungen hervorgehen, bekam er allerdings nicht. Sein erster Eindruck vom Zustand der neuen Zoobewohnerin: "schockierend".

Gleich nach ihrer Ankunft, bei der die Zirkusleute dabei waren, lernte Sikim die drei Mitbewohner Toto, Sabi und den kleinen Tutume kennen. „Die Tiere waren nicht aufgeregt und haben sich schon berüsselt“, so die Zoomitarbeiter. Toto habe dem Neuankömmling allerdings durch die Wegnahme des Futters gleich klar gemacht, wer Chef im Elefantenrevier ist.

Bis die vier Elefanten ohne Trenngitter zusammen kommen dürfen, wird noch einige Zeit vergehen. Zunächst müssen sich die Tierpfleger mit Sikims Eigenarten vertraut machen, denn Tipps von den Zirkusleuten haben sie nicht bekommen.

"Sikim wird nie wieder richtig gesund", weiß die Zootierärztin. Trotzdem hofft sie, das Tier wenigstens etwas von den Schmerzen befreien zu können. Und alle Tierpfleger möchten Elefantendame Sikim die Einschläferungsspritze ersparen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 21.08.2003


...auf dem Weg der Besserung

Die seit Dienstag im Osnabrücker Zoo lebende Elefantenkuh Sikim ist auf dem Weg der Besserung. Sikim habe großen Appetit und sei von der Osnabrücker Elefantengruppe gut aufgenommen worden, sagte Zoo-Tierärztin Susanne Klomburg am Freitag. Eine Einschläferung des unter schwerer Arthrose leidenden Tieres sei aber immer noch möglich. Die Entscheidung hänge von Röntgen und Blutuntersuchungen ab. Der verwahrloste Elefant war dem Zoo auf amtliche Anordnung vom Zirkus Giovanni Althoff überlassen worden.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung 22.08.2003