05.11. 2003
Tierschützer ketten sich an Firmentor fest
Aktivisten blockierten die Versuchstierzucht Harlan-Winkelmann in Borchen / Feuerwehr rückte mit Spezialzange an
Paderborn/Borchen (elk).
"Wir brauchen Forschung ohne Grausamkeit! Tierversuche sind ein Verbrechen!" stand auf dem Schild, das sich eine 23-jährige Demonstrantin vor die Brust hielt. Die junge Frau und ein zweiter Tierrechtler hatten sich gestern Morgen um viertel nach sechs mit Fahrradschlössern an den beiden Eingangstoren des Versuchstierzüchters Harlan-Winkelmann in Borchen (Gartenstraße) festgekettet.
18 weitere Demonstranten protestierten mit Transparenten, Sirenen, Megaphon und Trillerpfeifen gegen das Unternehmen, das nach eigenen Angaben der zweitgrößte Anbieter von Versuchstieren in Deutschland und weltweit ist . Immer wieder hagelte es Rufe wie "Tierquäler", "Tiere leiden, Tiere fühlen" und "Stoppt Tierversuche". Während in den umliegenden Wohnhäusern aufgrund des Lärms die Lichter angingen, gab es von Seiten des Unternehmens am Morgen keine Reaktion. Die bereits anwesenden Mitarbeiter zogen sich in die Gebäude zurück. Diejenigen, die zur Arbeit wollten, fuhren beim Anblick der Demonstranten unverrichteter Dinge wieder nach Hause.
Die Tierschützer harrten trotz des kalten Windes weiter vor den Toren aus. Der Versuch der Polizei, die Fahrradschlösser mit einem Bolzenschneider zu öffnen, misslang. Erst die zu Hilfe gerufene Feuerwehr konnte mit einer Spezialzange das Schloss der jungen Demonstrantin von den Stäben des Tores lösen. Der zweite festgekettete Aktivist öffnete sein Schloss darauf hin selbst und die Polizei löste die Demonstration auf.
Ziel der Aktion sei es, die Aufmerksamkeit auf die Versuchstierzucht und das unbeschreibliche Leid der Tiere zu lenken und den Betrieb lahm zu legen, erläuterte ein Sprecher der Tierrechtler. In einer Presseerklärung hieß es, der überregionale Verein "die tierbefreier" setze sich für ein "uneingeschränktes Lebensrecht für Tiere" ein. "Es ist höchste Zeit, dass endlich anerkannt wird, dass Tiere sensible und leidensfähige Lebewesen sind und ihnen Respekt entgegengebracht wird, der ihrem Wesen gerecht wird und das unendliche Leid der Tiere beendet." Die Tierrechtler fordern die totale Abschaffung aller Tierversuche, da sie aus ethischen Gründen nicht vertretbar seien.
Die Aktion ist Teil der Kampagne "Harlan schließen", mit der lokale und überregionale Tierschützer seit Monaten gegen das Borchener Unternehmen und dessen amerikanischen Mutterkonzern Harlan Front machen. Im März dieses Jahres hatten autonome Tierbefreier 25 Hunde aus der etwas außerhalb gelegenen Zuchtstation am Kleeberg mitgenommen. Seitdem hatte es immer wieder Infoveranstaltungen und Demonstrationen gegeben (wir berichteten). Die Zahl der Tierversuche ist wieder stark angestiegen. Nach Angaben des Verbraucherschutz-Ministeriums wurden 2001 mehr als 2.270.000 Tiere in deutschen Laboren getötet.
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