25.11. 2003


Versuchstierzahlen steigen weiter:
Tierversuchsgegner fordern Einsatz tierversuchsfreier Forschungsmethoden


Im Jahr 2002 wurden in Deutschland 2,2 Millionen Tiere in Versuchen getötet. Diese, jetzt vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft veröffentlichten Zahlen zeigen einen deutlichen Trend nach oben. Gegenüber dem Vorjahr wurden 3,9 % mehr Tiere in Wissenschaft und Forschung verbraucht, darunter 5.305 Hunde, 771 Katzen und 1.889 Affen. Die am häufigsten verwendeten Versuchstiere sind nach wie vor Mäuse (52 %), Ratten (23 %) und Fische (9 %). Bei fast allen Tierarten ist eine Zunahme gegenüber 2001 zu verzeichnen, so hat auch die Anzahl der getöteten Katzen (von 648 auf 771) und Hunden (von 4.430 auf 5.305) deutlich zugenommen. Einzig die Zahlen der Affen, Wachteln und Fische waren leicht rückläufig. Der größte Teil der Tiere (37 %) musste im Bereich der Grundlagenforschung sterben, wenn auch etwas weniger als im Vorjahr.

Ein Anstieg ist dagegen in den Bereichen Arzneimittelforschung und Giftigkeitstests zu verzeichnen. Für die beiden Organisationen Ärzte gegen Tierversuche und Bundesverband Menschen für Tierrechte ist der erneute Anstieg der Versuchstierzahlen nicht hinnehmbar und ein weiterer Beweis dafür, wie dringend notwendig eine verstärkte Förderung tierversuchsfreier Testmethoden ist.

Erst am 6. November übergaben Vertreter des Bundesverbandes mehr als 366.000 Unterschriften an Bundesministerin Künast und forderten im Rahmen ihrer Kampagne "Keine Mäuse für Tierversuche" mehr Geld für tierversuchsfreie Forschung. Die Ärzte gegen Tierversuche weisen vor allem auf die mangelnde Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen hin.

Aufgrund der Unterschiedlichkeit zwischen dem Menschen und den verschiedenen Tierarten kommt es immer wieder zu Fehleinschätzungen von im Tierversuch geprüften Medikamenten, die wegen zum Teil tödlicher Nebenwirkungen zur Marktrücknahme von Medikamenten führen oder mit denen kranken Menschen Hoffnung gemacht wird, die sich aber letztendlich als falsche Versprechungen herausstellen.

Einen wirklichen Fortschritt in der Medizin kann es nur durch Verzicht auf Tierversuche und den verstärkten Einsatz tierversuchsfreier Forschungsmethoden geben, zu denen neben Zellkulturverfahren auch klinische Forschung, Epidemiologie und Prävention von Krankheiten zählen, so die Ärztevereinigung weiter.

Kontakt:
Dr. med. vet. Corina Gericke
Tel.: 0531-54216
gericke@tierrechte.de

Der gemeinnützige Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich rechtlich, politisch und gesellschaftlich für die Anerkennung und Umsetzung elementarer Tierrechte ein. Als Dachverband sind ihm deutschlandweit etwa 100 Vereine sowie persönliche Fördermitglieder angeschlossen. Den Ärzten gegen Tierversuche gehören mehrere Hundert Mediziner und Wissenschaftler an, die Tierversuche aus ethischen und medizinischen Gründen ablehnen.