Jerry-Lee - 07.03.2018 - Boxer Nothilfe Deutschland e.V.

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Jerry-Lee - 07.03.2018

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07.03.2018


 
Jerry Lee, mein kleiner Eisbär. 
geb. 31.08.2009  -  gest. 02.11.2017

Von den Menschen zu lange missverstanden, hast du den Weg zu mir gefunden. Du warst die Art von Hund, die ich niemals wollte und doch warst du der Hund, der zu mir gehören sollte.

Wie sollte ich mit einem ausgewachsenen Hund deines Kalibers fertig werden, der nicht viel gutes in seinen ersten 2 1/2 Jahren erfahren durfte? Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen, als wir dich das erste mal live erleben durften.

Nachdem wir uns nach sechs Wochen von unserem kleinen Kämpfer Balu trennen musstenn suchten wir einen passenden Hund zu Emma. Es war Karfreitag, als wir uns auf den weiten weg zu dir machten. Mit anfänglichen Desinteresse stanst du vor uns. Menschen kamen und gingen für dich. Du wurdest rumgereicht. Wie konnte man dich nicht lieben? Nach unserem ersten Kennenlernen, wolltest du direkt mit uns ins Auto. Aber das ging nicht. Ich hatte einen vollen Laden zu schmeißen über Ostern. Deine Menschen-Oma im Krankenhaus. Emma läufig. Es passte an diesem Tag noch nicht und wir mussten das Kennenlernen erstmal verarbeiten. Wollte ich doch niemals einen ausgewachsenen Hund, dessen Vorgeschichte man nicht kannte. Einen Hund, der so viele verschiedenen Besitzer hatte. Zwei Tage später ein Anruf aus der Pension. Du hast einen anderen Hund gebissen, wenn wir dich haben möchten, sollen wir dich schnell abholen. Das war der Grund, warum ich niemals einen Hund mit deiner Vorgeschichte wollte, doch das sollte der Tag werden, an dem ich mich dazu entschloss, mir genau so einen Hund in die Familie zu holen.

Ohne richtig zu wissen, was ich gerade tue, sind wir am nächsten Tag wieder diesen weiten Weg gefahren und haben dich abgeholt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der freundliche Hund, der zwei Tage vorher noch mit anderen Hunden über die Wiese gerannt war, ein zweites Gesicht hätte. Na ja, später sollte ich eines Besseren belehrt werden. Das zusammenführen mit Emma hat mich das erste mal Nerven gekostet. Sie war ja noch ein Baby und hätte dir nichts entgegen halten können. Es musste einfach gut gehen.

Damals dachte ich, dass es mein, dein, unser Glück war, dass Emma noch läufig war. Heute weiß ich, es war Schicksal. Dein Kastrationschip war noch zu frisch und so fandest du sie sehr interessant. Mehr aber auch nicht. Nach einem ersten gemeinsamen, kleinen Spaziergang, habe ich euch zusammen laufen lassen. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und genau das war die richtige Entscheidung. Von diesem Tag an wart ihr Zwei bis zum Schluss ein unschlagbar es Team. Ihr seid zu einem Herz und einer Seele zusammen gewachsen. Noch nie durfte ich so eine innige Liebe zwischen zwei Tieren erleben. Danke dafür.

Die erste Hürde war also geschafft und jetzt ging es darum, dich aufzubauen. Dein Zustand war nicht schön. Du warst viel zu dünn - ohne jegliche Muskulatur. Nach ein paar Tagen der nächste Schock. Du warst lahm. Konntest nicht gut aufstehen und laufen. Ich habe so gebetet, dass es nichts Schlimmes ist. Ich hatte doch im August erst meinen geliebten Eyk verloren. Dann im Dezember Balu. Noch einmal in so einer kurzen Zeit durfte es nicht passieren.

Die Diagnose beim Tierarzt: mittelgradige HD. Einen kranken beißenden Hund und doch ein sechser im Lotto für uns. Die nächsten Tage, Wochen und Monate waren die reinste Achterbahnfahrt mit euch beiden. Ihr habt viel von einander gelernt. Emma hat dir gezeigt, dass Menschen etwas Tolles sein können. Du hast langsam angefangen, uns zu vertrauen. Emma hat sich leider zu sehr die negativen Seiten von dir abgeguckt. Und so stellte jeder Spaziergang mit euch beiden eine Herausforderung dar. Sämtliche Hunde waren Feinde in euren Augen. Ihr wolltet nur noch euch. Es flossen viele Tränen der Verzweiflung, der Wut, der Hilflosigkeit. Mit jedem Tag mehr wuchs in mir die Verachtung gegen die Menschen die dir so schreckliche Dinge angetan haben müssen. Du wolltest immer gefallen und alles richtig machen. Warst stehst bemüht. Doch in diesen ersten Jahren kam deine Vergangenheit immer wieder durch. Mit ganz viel Geduld und noch mehr Liebe haben wir versucht, dir zu helfen. Der tägliche Umgang mit Menschen, die dir die nötige Sicherheit gaben, das tägliche spazieren gehen, Emma, die Pferde, all das hat dir geholfen Stück für Stück wieder du selbst zu werden. Glücklich zu werden.

Deine schlechte Hüfte sollte uns auch nie wieder Probleme bereiten und somit standen langen Spaziergängen und toben mit Emma nichts mehr im Wege. Doch irgendwann kamen wir nicht weiter und ich fragte mich, ob du woanders besser aufgehoben wärst. Wir setzten dich wieder auf die Internetseite von der BNH. Jeden Tag las ich mir den Text durch. Irgendwann kam ich wieder zur Besinnung. Ich war kein Mensch der seinen Freund abschiebt, nur weil es mal schwierig war. Ich habe immer gesagt, dass jedes Tier bei mir bleibt, bis zum letzten Atemzug.

Ich wusste, dass andere Leute nicht mit deinen Macken klar kamen und so handelte ich. Ich bat Vera, deinen Eintrag von der Homepage wieder zu löschen. Du durftest bleiben.

Von dem Tag an änderte sich alles. Du hast mich auf die Probe gestellt, ob ich es auch wirklich wert bin, dass du mir dein volles Vertrauen schenkst. Und ich wurde belohnt. Es war noch viel Arbeit, aber jede Träne, jeder Schweißtropfen, jede Anstrengung war es wert. Ich konnte spüren, dass du dich mit jedem Tag mehr fallen liest. Du hast all die Verantwortung, die auf deinen Schultern lag, an mich abgegeben. Du hast mir vertraut. Es waren so unfassbar schöne Jahre mit dir. Du warst ein Clown durch und durch, hast uns ständig zum Lachen gebracht. Und manchmal ist das, was man für unmöglich hält, das Beste, das einem passieren kann.

Ich verspreche dir, wenn die Zeit gekommen ist, werde ich deine Zeichen hören und werde einer armen Seele, so wie du sie einst warst, ein schönes zu Hause bieten, so wie du es hattest. Du passt von da oben mit Eyk und Balu auf uns auf. Ihr wart so tolle Hunde und ich habe jeden Tag mit euch genossen. Ich vermisse euch so unglaublich. Ihr habt für immer einen Platz in meinem Herzen!

Traurige Grüße,
Farina



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