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Sterben der weißen Boxer rüttelte Bevölkerung auf
Kaiserslauterer Tierschützer gründen Initiative: "Wir wollen Leben" (2003)




Todesurteil: "weiß" lautete der Bericht, in dem wir über das Schicksal weiß-geborener Boxer berichteten, die von vielen Züchtern wegen dieses "Mangels" in der Fellfarbe "aussortiert" wurden. Der von uns geschilderte brutale und zugleich gesetzeswidrige Welpenmord erweckte ein unerwartet großes Interesse bei den Medien.

Der Initiator der Kampagne, unser Vorsitzender Wilhelm Klein, schildert jetzt Einzelheiten über die Reaktionen in der Bevölkerung, die Erfahrung mit Medien, Züchtern, dem Boxerclub sowie unsere weiteren Zielen.

" Ich wollte auf einen Skandal aufmerksam machen und habe unbewußt eine Lawine losgetreten"

Die Hinweise auf die Praxis vieler Boxerzüchter, alle Boxer mit der "Fehlfarbe" weiß, sofort nach der Geburt zu töten, hat neben einem Medieninteresse große Betroffenheit bei Tierfreunden in ganz Deutschland ausgelöst.
Und in der Tat, unser Tierschutzverein erhielt weit über 100 Briefe und Anrufe, in denen Tierfreunde ihre Entrüstung über das brutale Welpenmorden zum Ausdruck brachten.
Viele erklärten sich spontan bereit, einen weißen Boxer zu nehmen. So gerne wir auch alle Nachfragen befriedigt hätten, die Vermittlung scheiterte - von wenigen Ausnahmen abgesehen - einfach an der Tatsache, daß nicht genügend dieser Fabeltiere zur Verfügung standen; zu viele werden immer noch getötet.

"Hilfe kam auch von unerwarteten Stellen "

Dass wir Tierschützer nicht alleine auf weiterer Flur stehen, bewiesen auch die Schreiben und Anrufe von mehreren Züchtern.
" Wir können es schon lange nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren " war überwiegend der Tenor. Dank erreichte uns auch für den Mut, dieses Thema in die Öffentlichkeit gebracht zu haben.
Die Tatsache, daß sich nach der Medienkampagne überhaupt Züchter "outeten", kann aus der Sicht der Tierschützer nicht hoch genug bewertet werden.
Ein interessanter Brief erreichte uns in diesem Zusammenhang von einer Tierfreundin aus Hengstlage. Sie ist Besitzerin von zwei weißen Boxern. Die Hunde hätte sie im Welpenalter von einem Tierarzt erhalten, der sie für einen Boxerzüchter wegen des " schwerwiegenden Mangels weiß" einschläfern sollte. Die Frau besaß, wie sie uns schilderte, die Courage, mit ihren zwei Hunden eine Rassehundeausstellung in Cloppenburg zu besuchen.
Was sie danach niederschrieb ist symptomatisch für das Verhalten der selbsternannten Rassewächter des Boxer-Klubs
" Bei den Boxerleuten betretenes Schweigen, bis dann ein adrett gekleideter Herr auf uns zukam und fragte, ob die beiden weißen Boxer denn Papiere hätten. Ich verneinte, versicherte ihm aber, daß sie ordnungsgemäß geboren wären und daß ich im übrigen keinen Wert auf Papiere lege. Daraufhin wurden wir drei wie Exoten gemustert und folgendermaßen aufgeklärt:

"Die weißen Boxer sind extrem krankheitsanfällig und lebensschwach. Voraussichtlich bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres werden sie blind und taub sein. Sie müssen in Zukunft mit einer Menge von Problemen rechnen. Übrigens, die Behauptung einiger Unwissenden, weiße Boxer werden vom Züchter getötet, ist nachweislich falsch, ihre Hunde sind ja der lebende Beweis."
Das hier offenbarte Verhalten sogenannter Boxerfreunde ist an Zynismus kaum mehr zu überbieten.
Nicht nur diese Behauptung des korrekt gekleideten Herrn blieb ein untauglicher Versuch die Wahrheit zu verschleiern. Ähnlich ist auch eine Verlautbarung des Boxer-Klubs München zu werten, der bestreitet, irgendwelchen Druck oder Restriktionen gegen Züchter und Besitzer von weißen Boxer auszuüben.
Laut Zuchtordnung seien - so der Klub - die Mitglieder sogar verpflichtet, sich an das Tierschutzgesetzt zu halten. Um die Glaubwürdigkeit dieser Aussage zu unterstreichen, setzt man noch einen drauf und erklärt, daß er gegen jegliche Unterstellung in Richtung "offizieller Druck zur Tötung von weißen Boxern" gerichtlich vorgehen wird.
Die Androhung von gerichtlichen Schritten basiert demnach wohlweislich auf solche Behauptungen, die einen " offiziellen Druck" zum Töten unterstellen.
Der Richtigkeit halber ist, soweit wir Einblick hatten, festzustellen, daß der Boxer-Klub ein offizielles Tötungsgebot nicht mehr heraus gibt. Dies kann er auch nicht, denn es wäre ein Verstoß gegen die Rechtsordung.

Nicht das Emotionale, die Realität zwingt uns zum Handeln

Weil uns Tierschützern immer ein gewisser Hang zum Emotionalen unterstellt wird, haben wir uns um fachliche Quellen zu diesem Thema bemüht. Wir wollten uns damit von vorneherein den Vorwurf einer nur subjektiven Betrachtungsweise ersparen. Unstrittig bei den uns jetzt Vorliegenden Ergebnissen war das Problem selbst.
Das, was der Boxer-Klub negiert und schönredet existiert: Weiße Boxer werden nach der Geburt überwiegend getötet.

Der ehemalige Präsident des französischen Boxerklubs Michel Pionchon schrieb im Boxerblatt zu diesem Thema u.a. folgendes:

"Aber ist denn die weiße Fellfarbe allein das einzige charakteristische dieser Außenseiter? Bei den selten belassenen Weißen stellt man unglücklicherweise fest, daß die beim Boxer angestrebten Eigenschaften bei diesen Tieren besonders ausgeprägt sind.
Zum Beispiel sind sie immer von besonders gutem Formwert, mit einem gut gewinkelten Gebäude. Die Köpfe sind besonders typvoll mit gutem Oberkopf und Fang, die Augen dunkel (mit unausgefärbter Nickhaut), der Zahnstand kräftig und gerade.
Es waren vielleicht all die Eigenschaften beim (ursprünglich auch weißen) Boxer, die mir den Anlaß gaben, zur Zucht dieser Rasse.
Es schien mir unerläßlich, den Schleier zu lüften und offen über eine Situation zu reden, mit der jeder Züchter konfrontiert werden kann. Diese Auskunft, die aufrichtig und ehrlich gegeben wurde, zeigt dem Verantwortlichen eine Grundlage auf und sie können daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen"

Unser Tierschutzverein hat eine Interessengemeinschaft gegründet, in der Mitglieder des Vereins, Besitzer weißer Boxer, Züchter und Tiermediziner gemeinsam für diese liebenswerten und lebensfähigen Tiere eintreten.

Quelle: Auszug aus "Tierschutzheft des Tierheims Kaiserslautern"




   

Kontakt:
Vera Dengel
Gebietsbeauftragte
Rheinland-Pfalz / Saarland
Tel: 06371 / 1 24 56
Email: VeraDengel@boxernothilfe.de

 
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